„Hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus.“ (Galater 3, Vers 28)
Die Gleichheit der Geschlechter und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Dass nach wie vor viele Mädchen keine Schule besuchen können, Frauen für gleiche Arbeit weniger Geld als Männer bekommen, in Spitzenpositionen seltener vertreten sind und häufiger unter prekären Bedingungen arbeiten müssen, widerspricht in grundlegender Weise den christlichen Gerechtigkeitsvorstellungen.
Bildungschancen
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| Mädchen, die keine Primarschule besuchen können (Quelle: worldmapper.org). |
Nach wie vor können weniger Mädchen als Jungen eine Schule besuchen, obwohl es das Ziel war bereits im Jahr 2005 ein ausgeglichenes Verhältnis zu erreichen. Etwa 53 Prozent der Kinder, die nicht zur Schule gehen, sind Mädchen. Im Jahr 1999 waren es noch 57 Prozent. 2008 kamen in Entwicklungsländern auf 100 Jungen in einer Primarschule im Schnitt nur 96 Mädchen, bei weiterführenden Schulen auf 100 Jungen 95 Mädchen.
Vor allem Mädchen aus sozial schwachen Schichten, ländlichen Regionen und in konservativ geprägten Kulturen sind benachteiligt. Am größten ist die Benachteiligung von Mädchen in Ozeanien, West- und Südasien sowie Subsahara-Afrika. In Südasien und Subsahara-Afrika können beispielsweise nur 67 Mädchen, bzw. 76 Mädchen pro 100 Jungen eine weiterführende Schule oder Hochschule besuchen. Mädchen im Grundschulalter aus den ärmsten 60 Prozent der Haushalte haben drei mal so häufig nicht die Möglichkeit eine Schule zu besuchen wie Mädchen aus reicheren Haushalten.
Berufliche Chancen
Die Benachteiligung im Zugang zu schulischer Bildung setzt sich im späteren Leben fort. Weltweit erhalten Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld als Männer, arbeiten häufiger unter prekären Bedingungen und sind in Spitzenpositionen und in den Parlamenten seltener vertreten. In den Entwicklungsregionen arbeiten beispielsweise etwa 65 Prozent der Frauen und nur 57 Prozent der Männer in informellen Bereichen, leisten Subsistenzwirtschaft oder unbezahlte Familienarbeit.
Bislang geht die Überwindung der Geschlechterungerechtigkeit nicht mit der gewünschten Geschwindigkeit voran. Häufig sind große kulturelle und soziale Hürden zu überwinden, ist ein Umdenken in der gesamten Bevölkerung notwendig, um Gleichberechtigung zu erreichen. Der Nachholbedarf weltweit ist groß. So wird über Frauenquoten in bestimmten Berufsfeldern diskutiert. Auch die christlichen Kirchen und Gemeinden sollten sich mehr mit der Frage auseinandersetzen, wie gleichberechtigtes Miteinander aussehen kann, das Verschiedenheit wertschätzt und Entscheidungsfreiheit lässt.
In den Entwicklungsländern kann die Einschulungsrate von Mädchen durch gezielte Schulspeisungsprogramme deutlich erhöht werden. Das gilt insbesondere für Mädchen, die aus wirtschaftlichen und kulturellen Gründen sonst nicht die Möglichkeit hätten, eine Schule zu besuchen. Viele Entwicklungsorganisationen unterstützen Frauenselbsthilfegruppen. Durch diese Gruppen erhalten dadurch nicht nur neue Beschäftigungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten, sondern gewinnen auch an Selbstbewusstsein, um sich selbst in patriarchalisch geprägten Kulturen durchzusetzen.
Quelle: Vereinte Nationen: Millenniums-Entwicklungsziele Bericht 2010, New York 2010.